Blog

Suche

Seit nunmehr über einem Monat habe auch ich meine Praxis geschlossen. Für uns alle ist die derzeitige Situation eine Herausforderung - u. a. für unser gemeinschaftliches Miteinander und nicht zuletzt für viele in finanzieller Hinsicht.

Unser höchstes Gut ist das Leben, die Gesundheit steht im Vordergrund, egal wie alt wir sind. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die derzeitigen Beschränkungen wichtig und richtig!

Meine Besuche bei meinen Klienten in den Altersheimen sowie in der Graf-Recke-Stiftung finden derzeit nicht statt, hier gilt sowohl die eigene Fürsorgepflicht als auch vor allem die für andere Menschen. Und ja, mir fehlen diese Besuche.

Meine Kurse und Mittags-Entspannungen in der Praxis werde ich wohl erst wieder anbieten können, wenn die Kontaktbeschränkungen soweit aufgehoben sind, dass eine gesundheitliche Gefährdung möglichst nicht stattfindet. Natürlich vermisse ich es sehr, Kurse anzuleiten und ich vermisse meine Kursteilnehmer, aber auch hier gilt das o. g. Gebot.

Die Kontakt- und Quarantänebeschränkungen können auch eine Aufforderung zur Rückbesinnung sein. Jeder hat jetzt die Zeit, über lieb gewonnene Gewohnheiten nachzudenken. Aber vielleicht auch einmal über das Wort "Verzicht". Mit den folgenden Zeilen möchte ich nicht moralisieren, sondern zu eigenem Denken anregen, darüber, was diese besondere Zeit neben all den Herausforderungen auch Gutes für uns dabei herausbringen kann.

Für mich ist es eine Art der Entschleunigung des normal gewohnten Alltags oder Rückbesinnung auf Werte, die wir alle schon etwas als zu normal angesehen oder sogar vergessen haben. Was macht der Virus jetzt mit uns? U. a. ungewohnt intensive Nähe innerhalb der Wohnung, die Ganztags-Betreuung der Kinder zusätzlich zu den Arbeitsanforderungen, kein Essengehen im Lieblingsrestaurant, kein Kaffeetrinken oder Sich-auf-ein-Bierchen-Treffen mal ebenso mit Freunden, Einsamkeitsgefühle und Ängste, kein Umarmen, keine Nähe. Und Menschen, die nicht besucht werden dürfen, Menschen, die ohne Abschiednehmen sterben und Angehörige, die allein trauern. Gerade diesen Menschen spreche ich mein aufrichtiges Mitgefühl aus, das ist eine sehr traurige und schlimme Herausforderung.

Für mich persönlich ist es eine Zeit, demütig zu sein. Wenn es einem noch gut geht, wenn man gesund ist, wenn man nicht ständig ans Wie-gehts-morgen-weiter denken muss, macht es mehr als Sinn, sich derer zu erinnern und solidarisch zu zeigen, die das nicht so von sich behaupten können. Und nicht zuletzt auch Demut vor den vielen helfenden und fleißigen "systemrelevanten" Berufen, die ja schon immer dazu beigetragen haben, unser aller Lebensstandard so hoch zu halten - und nicht erst jetzt in dieser schwierigen Situation.

Das Gefühl von Einschränkung ist uns ein wenig fremd geworden, immer ist alles/jeder und zu aller Zeit verfügbar. Alles muss so weitergehen, muss so bleiben wie gewohnt, man möchte möglichst so weitermachen wie bisher, immer im gewohnten Rhythmus.

Nicht alles ist mehr verfügbar. Was verfügbar ist, sind unsere Ressourcen: z. B. Menschlichkeit, Verantwortung für sich und andere, Anteilnahme. Und unsere Ressource, zu denken und jederzeit dazu zu lernen. Wir könnten beginnen, einiges in unserem Leben in Frage zu stellen. Das ist sehr individuell. Der eine oder andere wird sich über ein anderes, ein neues Distanzbedürfnis Gedanken machen, er möchte vielleicht nicht mehr immer und zu jeder Zeit verfügbar sein und selbst darüber bestimmen wollen. Der nächste stellt sich Fragen nach dem Zuviel an Materiellem - brauche ich immer alles und immer sofort? Mancher empfindet die jetzige "Stille" als einen wunderbar schönen Ort, um für sich mal allein zu sein und diese Stille auch aushalten zu können und wundert sich, dass dies auch klappt. Andere sind glücklich, diese Auszeit für sich und den Partner zu haben, endlich mehr gemeinsame Zeit am Tag füreinander - auch wenn beide gerade intensiv Home Office in verschiedenen Zimmern der Wohnung machen. Egal, was die eine oder der andere an Erfahrungen oder neu gesteckten Zielen aus dieser jetzigen Situation mitnimmt, wichtig ist doch, dass darüber nachgedacht wurde. Und Gepflogenheiten, die wir schon immer etwas mehr oder weniger unbewusst ausgeübt oder gar verdrängt haben, werden jetzt offenbarer: vielleicht ein gemeinsames, in Ruhe genossenes Frühstück, die Frage nach den Bedürfnissen der Mitbewohner und das Ansprechen der eigenen Bedürfnisse oder auch das Benutzen von nicht digitalen Medien, z. B. ein Buch.

Und zu hoffen wäre, dass in uns allen die Erkenntnis gewachsen ist, dass es nicht um höher, schneller, weiter geht, sondern wir wieder ein Bedürfnis entwickeln zu Gelassenheit in unserem Alltag, zu mehr Achtsamkeit für unser Umfeld, zu mehr Bewusstheit für uns selbst und andere Menschen, dass wir froh und glücklich sind, unsere Lieben zu haben und wir auch nach dieser Zeit ganz viel mehr Zeit und Freude mit ihnen genießen werden. Es wäre schön, wenn wir aus dieser ungewöhnlichen Zeit alle viel Gutes mit in unsere Zukunft nehmen können. Und dass manch gesagtes Wort oder politische Versprechen zu einer Veränderung in unserem Miteinander/unserer Gesellschaft auch in ein paar Wochen noch Bestand hat und Verwirklichung findet.

Ich wünsche uns allen, dass wir in dieser Zeit der Einschränkungen und des Aushaltens gesund bleiben und diese Herausforderung als Chance begreifen, etwas in unserem Hier und Jetzt zu verändern.

Da es leider noch nicht möglich ist, dass Ihr Euren Blogbeitrag selbst hier schreiben könnt, dürft Ihr sehr gern die Kommentarfunktion (unten) bis dahin nutzen...... Ihr wisst, ich bin dankbar für kreative Vorschläge und konstruktive Kritik, natürlich auch über positive Feedbacks.

Ich würde mich freuen, wenn Ihr dafür Zeit findet! Lieben Dank!






Ja - geht. Zum Beispiel mit Langeweile, verbunden mit Stille.


Wir könnten uns ganz bewusst für einen kleinen eigenen "Leerlauf" entscheiden - nicht jede Lücke in unserer Zeit muss ausgefüllt werden.

Und gerade in der so oft von uns (heimlich) ersehnten und von anderen Menschen gewünschten "besinnlichen" Advents- und Weihnachtszeit wäre eine Phase der Ruhe, der Passivität, des Faulenzens eine gute und sinnvolle Voraussetzung, unsere Batterien wieder aufzuladen und unserem Gehirn Erholung zu gönnen.

Das Faulenzen ist hier als Herausforderung an uns zu verstehen, Langeweile- und Stille-Erfahrung als wohltuend und erholsam zu erfahren.

Die Beschleunigung unseres Tuns bemerken wir erst dann, wenn der Stress zum Dauerzustand geworden ist. Das ständige Reagieren auf alles und jeden lässt uns erschöpfen und die Rastlosigkeit nimmt immer mehr zu - unserer Gesundheit ist das nicht zuträglich. Die Dauerberieselung durch alle möglichen Medien, die ständige Erreichbarkeit und nicht zuletzt vor allem die von uns selbst auferlegten wichtigen Erledigungen lassen es kaum zu, dass wir abschalten, innehalten und unser Tun reflektieren. Schon sind wir unausgeglichen, müde und schlafen nicht besonders gut, haben schlechte Laune und eine komische Leere im Kopf.

"........ jetzt müssen Plätzchen gebacken, Weihnachtsgeschenke besorgt, Festtagstermine organisiert und abgesprochen, Leckereien zum Fest eingekauft werden...... da müssen Termine für Weihnachtsmarkt-Treffen zeitlich eingeordnet werden, es steht die Firma-Jahresend-Feier an und eigentlich wollten wir dieses Jahr die Glückwünsche nicht per WhatsApp verschicken" und und und.......

Besinnlichkeit fühlt sich irgendwie anders an.


Dann ist jetzt wirklich Zeit für "Zwischendurch-Leerlauf": wir besinnen uns einmal bewusst auf Stille, Langeweile, Nichts-Tun, Abhängen, freuen uns, ohne schlechtes Gewissen zu haben, über die geschenkte Zeit, setzen neue Prioritäten und stellen fest, was nicht drängend ist und was wir eigentlich noch so alles weglassen können. Auch wird der Kopf wieder frei für Neues. Ab und zu jetzt den Leerlauf ausprobiert, schenken wir uns neue Kräfte und nebenbei immer etwas mehr an freie Zeit für uns selbst.

Am Anfang bemerken wir, dass wir es verlernt haben, diese Stille und innere Einkehr in unsere Gedanken, diese Langeweile auszuhalten, das gibt sich mit der Zeit. Stille lernen geht fast überall, einfacher natürlich bei einem einsamen Spaziergang in der Natur ohne Smartphone oder wenn man sich zuhause von jeglichen akustischen Reize für eine Zeit unabhängig macht. Und Langeweile wäre, wenn man von sich selbst keine Ergebnisse und durchgetaktete Zeiten erwartet und dies dann auch ganz vergnügt genießt.

Aus eigener Erfahrung kann ich Euch gerade jetzt vor den anstehenden Feiertagen ans Herz legen: Nehmt das Tempo raus und öffnet Euch einmal für den Müßiggang, dem Faulenzen, der Langeweile und lernt, die kleinen Oasen der Stille und Ruhe, die Ihr Euch gönnt, auszuhalten. Das hilft, entspannter zu werden, mit aufgeladenen frischen Ideen an die Dinge, die Euch wirklich wichtig sind und die Euch gut tun, heranzugehen und auf gestresste Mitmenschen gelassener zu reagieren.

Ach ja, und nach der Phase der Langeweile und der Gewinnung von neuen Erkenntnissen verteilt Ihr öfter manche anstehende Aufgabe einmal an Eure Mitmenschen - hier auch bitte ohne schlechtes Gewissen!


Ich wünsche Euch allen eine wunderbar ruhige, hoffentlich ab und zu herrlich langweilige, vor allem auch genussvolle Vor- und Weihnachtszeit mit tollen Ideen für ein entspanntes, gesundes und für uns alle friedliches NEUES JAHR!


Foto: Danke an Macy Petterson!






Ich behalte mir vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

Diesen Blog können die Teilnehmer nutzen, um ihre Meinung zu äußern, auf wichtige Sachthemen, passende Literatur oder Veranstaltungen hinzuweisen.

Meinerseits nutze ich den Blog, um Workshops oder Veranstaltungen, aktuelle Themen oder Termine anzukündigen.

© 2019 by Elvira Weißbach